Bike Components Würselen

Industrie und Werkstatt

Ein neues Heim für den Radsport

Umnutzung einer großflächigen Gewerbehalle mit Raumsystemen

Das waren noch Zeiten, damals in den 90ern. Die IT-Branche boomte und überall entstanden Gewerbebauten, in denen Computer gefertigt und verpackt wurden. Da es sich bei Hardware um eher leichtgewichtige Ware handelt, konnte die Produktion auch in den Obergeschossen stattfinden, zum Beispiel im ersten Stock einer Halle in Würselen. Knapp 10.000 m2 Fläche standen dem ursprünglichen Besitzer hier in einem bis zu 40 m tiefen, nur einseitig belichteten Raum zur Verfügung.
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Hauptschule Sundern altes Klassenzimmer
Hauptschule Sundern altes Klassenzimmer
Nach dem Auszug des Nutzers stellte sich diese Konstellation allerdings als Problem heraus. Die meisten Firmen benötigen entweder intensiver belichtete Räume oder aber Flächen im Erdgeschoss, die mit schweren Maschinen belastet werden können. Erst mit bikecomponents, einem Unternehmen, das maßgeschneiderte Fahrräder und Fahrradteile per Internet vertreibt, fand sich schließlich ein Interessent für die Großfläche, der jene ursprünglichen Eigenschaften für sich nutzen konnte. Man schätzte das, was die Halle von Anfang an versprach: Sehr viel Platz und die Möglichkeit, diesen architektonisch einzigartig zu gestalten.
Eingestellt: Die Räume enden weit unterhalb der
Rohdecke. Die Leitungsführung läuft durch. So geht
nichts von der großzügigen Raumwirkung verloren.

Vom Großraum zum Loft – ein Umbau mit hohen Anforderungen

Hauptschule Sundern Flur
Hauptschule Sundern Flur
Eine loftartige Einteilung und Möblierung sowie im Großraum eingestellte Raumzellen und das über die gesamte Decke sichtbar durchlaufende Leitungsnetz heben den Industriecharakter der Räumlichkeiten hervor. Leichte Trockenbauwände bilden die Basis, Glasfronten wechseln sich mit in Weiß, Holztönen und Orange gehaltenen geschlossenen Flächen ab. Nichts wirkt kleinteilig und eng, stattdessen großzügig, luftig und lichtdurchflutet. Um diese großzügige und doch aufgeräumte Wirkung zu erzielen und aus der gigantischen, aber kaum nutzbaren Fläche die perfekte Umgebung für das junge Unternehmen zu machen, musste der Bestand komplett umgebaut werden.

Der Entwurf der neuen Räumlichkeiten gründet auf drei wesentlichen Bestandteilen: Eine große, durchfließende Fläche als Eingangsforum mit Cafélounge und Spielzone, ein abgeschirmter Bereich für den Kundenservice, der an der Fassade angeordnet und zur Mittelzone mit einer Glaswand getrennt wurde, sowie ein geschwungenes „orangenes“ Band, welches kleinteiligere Nutzungen wie den Besprechungsraum und die Büros der Geschäftsleitung aufnimmt. Die eingesetzten Wandkonstruktionen mussten den besonderen Erfordernissen aller Räumlichkeiten wie Schallschutz und Brandschutz genügen und gleichzeitig die statischen Gegebenheiten des Bestandes berücksichtigen. Das Dach der Halle ist nur an wenigen Punkten so ausgelegt, dass es zusätzliche Lasten abtragen kann bzw. Wandkonstruktionen befestigt werden können.
Runde Sache: Ein geschwungenes „oranges
Band“ nimmt kleinteilige Nutzungen wie den
Besprechungsraum auf.
Hauptschule Sundern Sanierung

Modulare Raumsysteme trotzen statischen Herausforderungen

Hauptschule Sundern Sanierung
Als Lösung boten sich modulare Raumsysteme der Siniat GmbH an, mit denen sich mithilfe spezieller Profile, Standard-Befestigungsmittel und Gipsplatten maßgeschneiderte, freitragende Innenraumlösungen mit bis zu 4 m Raumhöhe und Spannweiten von bis zu 8 m erstellen lassen. „Elf solcher Raumsysteme rahmen die Bürobereiche jeweils an den Ecken ein und nehmen Funktionsräume wie den Kopier- und den Abstellraum auf“, informiert Architekt Udo Thiemann, der als Geschäftsführer der Hahn Helten + Thiemann Bauleitungs GmbH das Projekt entwickelt hat. Alle Decken dieser Räume sind auf Bauherrnwunsch begehbar und für Lasten von bis zu 0,75 kN/m2 ausgelegt.

Ebenfalls berücksichtig wurden die speziellen Schallschutzanforderungen. „Insbesondere legen die Bauherren Wert darauf, dass der Kundenservice nicht durch Lärm aus den übrigen Bereichen gestört wird“, betont Frank Borkowitz, der die Detailplanung und Bauleitung von bike-components betreute. Daher wurden die Räume durchgängig zweilagig mit der harten Mehrzweckplatte LaPlura beplankt und mit Mineralwolle ausgefacht. So erreichen sie Luftschallschutzwerte von bis zu 51 dB.
Als Sonderkonstruktion frei in den Raum gestellt
wurde dieses Raumkonzept. Es bildet den
Übergang zwischen Lager- und Bürobereich.
Kopier- und Lagerräume wurden als Raum-in-
Raum-Systeme eingestellt – davor der Lounge und Besprechungsbereich.

Ausbau mit passgenauen Bauteilen

Bike Components Würselen Cafélounge
Bike Components Würselen Cafélounge
„Auf Grundlage der gewünschten Maße und Eigenschaften hat Siniat die benötigten Weitspannträger für die Raumsysteme dimensioniert und passgenau geliefert“, berichtet Johannes Terfehr, Vorarbeiter der mit den Trockenbauarbeiten betrauten B. Schlichter GmbH & Co. KG. Stützen, Randprofile, Weitspannträger und Stützen-Riegel-Verbinder (SR-Verbinder) bilden die Tragkonstruktion der Raumsysteme. Auf der Baustelle montierten die Handwerker die angelieferten SRVerbinder zunächst auf dem Rohboden und verschraubten sie dann mit Raumsystemschrauben mit den Stützprofilen. Anschließend wurden sie mit den entsprechenden Platten beplankt.

Einige Raumsysteme wurden mit zwei Lagen der 25mm starken Spezial-Brandschutzplatte LaFire ausgerüstet und erreichen so die Feuerwiderstandsklasse F 90-A. Von der anderen Seite sind die Wände doppelt mit 12,5 mm LaPlura beplankt, von innen wurden sie ebenfalls mit Mineralwolle gedämmt. Auch sämtliche Deckendurchbrüche mussten der Feuer widerstandsklasse F 90-A entsprechen und wurden dafür mit LaFire ausgekleidet. Nach Verlegung der hier verlaufenden Kabel wurden sie zusätzlich mit Weichschotten geschlossen.
Auch die Cafélounge wurde in das „orange
Band“ integriert. Ein abgehängtes Deckensegel
setzt Akzente.

Umgekehrt bauen: zuerst die Decke, dann die Wand

Zur Konstruktion der Raumgebilde im Geschäftsbereich mussten die Handwerker verkehrt herum beginnen. „Es gab ja oben zunächst noch keine Befestigungsmöglichkeiten für die Wände“, erläutert Terfehr. Daher zogen sie als ersten Schritt Nebenträger aus UAProfilen zwischen bzw. unter die Betonpfetten ein und bauten auf diese Weise ein Traggerüst. Daran befestigten sie – schallentkoppelt – Nonius-Hänger und montierten an diese eine reguläre Unterkonstruktion aus CDProfilen. Als Beplankung nutzen sie Akustikplatten mit Rundlochung 8/18 und Schallschutzvlies sowie Mineralwolldämmung. Erst als diese Deckenkonstruktion fertiggestellt war, konnten die Wände montiert werden. Sie setzen sich aus einem regulären Ständerwerk mit 75-er CW-Profilen zusammen und sind zweilagig mit der Mehrzweckplatte LaPlura beplankt und mit Mineralwolle isoliert.
Bike Components Würselen

Kurvig und mit Baldachin: das Entrée

Bike Components Würselen
Im Großraumbüro entstand zusätzlich ein unter dem Betonhauptträger montiertes Schallschutzdach. Die Unterkonstruktion aus im Abstand von 90 cm befestigten, „hängenden“ UA-Profilen wurde mit Rücken an Rücken montierten CW-Profilen verbunden.

„Da wir an den Decken nichts befestigen konnten, musste die Deckenkonstruktion des Großraumbüros einseitig an den 15 m weit spannenden Stahlbetonhauptträgern abgehängt werden. Auf der Eingangsseite wurden sie auf einer vom Schlosser gelieferten Stahlunterkonstruktion aufgelagert. Oberhalb dieses Trägers blieb der Luftraum frei. Hier verläuft die Leitungsführung. Die unter das Dach gestellten, aus Kiefernholz gefertigten Eingangsboxen wirken daher wie einzelne, in den Raum eingestellte Objekte“, erklärt Borkowitz. Von Siniat vorgefertigte Formteile dienen als Bekleidung dieses Daches. Zusätzlich nehmen sie Schienen auf, in die wiederum eine Glaswand montiert wurde. So wirkt dieses Deckensegel einerseits durchgängig und offen, andererseits dient es als Schallschutzsegel.

Ebenfalls an jenen Nebenträgern montiert ist die runde, mit der nur 6 mm dicken und damit besonders biegsamen Gipsplatte LaCurve beplankte Garderobe des Unternehmens. Sie reicht bis unter die Dachhaut und besteht aus Ständern und U-Schienen der entsprechenden Rundung. Für den oberen Abschluss wurde eine Behelfskonstruktion gebaut, um die obere U-Schiene zu montieren. Neben der Rundung überdeckt ein frei tragender Baldachin den Eingangsbereich, der sich an den Seiten auf U-Träger und vom Schlosser gelieferten Ständern stützt. Das Gerüst selbst bilden 1 mm starke, an den U-Trägern befestigte UWProfile sowie ein Skelett aus im Abstand von 40 cm eingezogenem Ständerwerk. Damit das Ständerwerk stabiler ist, wurden jeweils zwei Ständer Rücken an Rücken miteinander verschraubt, als Beplankung dienen zwei Lagen Gipsplatten.

Der Baldachin setzt das Entree des Raumes in Szene und geleitet die Besucher von bikecomponents hinein in die neue Erfolgsgeschichte jenes Gebäudes, in dem nicht nur die Geschichte des Fahrrads ein Revival erlebt. Dank leistungsfähiger Trockenbaulösungen konnte im gleichen Zug ein ausgedienter Großraum in eine neue Zukunft geführt werden.
Übergang zum Lagerbereich: In diesem Bereich
wurde die Decke zuerst gebaut, erst danach
wurden die Wände aufgestellt.

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Tel.: +49 2102 / 49 33 66
E-Mail: anwendungstechnik@siniat.com

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