Temporaere Kunsthalle

Berlin
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Bautafel

  • Bauvorhaben: Kultur
  • Bauherr: cube Kunsthalle Berlin GmbH

Die Fassaden des Gebäudes wurden selbst zu Ausstellungsflächen und dienten der Präsentation von Kunst: Weit sichtbar, "mit Strahlkraft in den öffentlichen Raum“, verleiht die im Wechsel von verschiedenen Künstlern gestaltete Hülle aus Siniat Zementplatten der 56 x 20 Meter großen und elf Meter hohen Box eine „nachhaltige Wirkungspräsenz“ so der Architekt. Mit dieser ebenso symbolträchtigen wie provokanten Idee inszenierte er die Kunsthalle selbst als Kunstobjekt. Die erste Außenbespielung auf der „Siniat-Leinwand“ ist ein Entwurf des documenta-Künstlers Gerwald Ro-ckenschaub. Sie zeigt pixelartig abstrahierte weiße Wolken auf leuchtend blauem Grund.

Ausbauphase

Sowohl die Außen- als auch die Innenwandbekleidung wurden aus Siniat Zementplatten erstellt. Um dem temporären und werkhaften Charakter der Kunsthalle Ausdruck zu verleihen, beließ Architekt Adolf Krischanitz die Fassade mit der zementgebundenen Fassadenplatte Bluclad - anders als üblich - bewusst roh und unverputzt. Die Platten wurden fugenlos direkt auf die Holzunterkonstruktion geklammert und bilden eine glatte, rund 2000 Quadratmeter große Fläche - ein perfekter Untergrund für mehrfache Außenbemalungen der Temporären Kunsthalle. Für die rund 3.700 Quadratmeter großen Wandflächen des Innenraums mit Ausstellungsraum, Café und Foyer wählte der Architekt eine artverwandte Siniatplatte: die zementgebundene Trockenbauplatte Hydropanel. Verputzt und gestrichen bildet sie das Passepartout für die wechselnden Ausstellungen zeitgenössischer Kunst.

In weniger als vier Monaten entstand der Holzrahmenbau aus etwa 100 werkseitig vorgefertigten, mit elf Metern Länge gebäudehoch aufstellbaren Wandelementen.

Die Wandelemente bestehen im Kern aus einem 240 Millimeter starken Holzriegelwerk, das die Zimmerei aus Brandschutzgründen mit einer Dämmung aus Mineralwolle ausfachte.

Jedem fertig aufgestellten Wandabschnitt folgte die stabilisierende Montage des Dachs, einer Fachwerkkonstruktion in Greimbauweise. Dabei werden die stumpf aneinanderstoßenden Holzbalken an ihren Verbindungsstellen zu Lamellen geschlitzt, zwischen denen Nagelbleche eingeschoben werden. Von außen durch die kompletten Holz-Blech-Lagen getriebene Nägel schaffen steife und tragfähige Verbindungen. Die Greimbauweise erlaubt beliebige Binderformen und -abstände und ist ohne Spannweitenbegrenzung zugelassen, was bei der Temporären Kunsthalle einen 20 x 30 Meter großen, stützenfreien Ausstellungsraum bei geringem Materialeinsatz ermöglichte.

Ergebnisse

Wirkung

Konzeptionell und konstruktiv ist die Tempo-räre Kunsthalle ein optimal aufeinander abgestimmter Systembaukasten in Holzrahmenbauweise mit Siniat Produkten, die den hohen Anforderungen aus dem Brand- und Schallschutzgutachten des renommierten Ingenieurbüros Müller BBM entsprechen. Trotz des geringen Kostenrahmens ist es gelungen, einen konstruktiv und gestalterisch qualitätsvollen Bau zu errichten. Seine klare, einfache Architektursprache und rohe Materialität der Fassade verleihen ihm den Charakter eines wandelbaren und sich prozesshaft entwickelnden, lebendigen Ortes für die Kunst. Ist das Gebäude auch als Provisorium konzipiert – es wird einen bleibenden Eindruck hinterlassen und nachhaltiger Impuls für das kulturelle Leben Berlins sein.